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Von Erdmann Braschos

Thomas Pawlik ist ein netter, unscheinbarer, jugendlich wirkender Enddreißiger. Der bärtige Elektroingenieur trägt die etwas bessere Freizeitkleidung. Jeans, Hemd und Pullunder passen zueinander. Ein Typ, den in einer Talk-Show alle mögen würden.

 

Seit zwei Jahren propagiert er in Dalyan, einem Dorf an der türkischen Agäisküste, den „Sanften Tourismus“. Das Kürzel seines Unternehmens „Strelo“ steht für „Soft Tourism and Responsibility for Earth and Life Organization“, für ein vermeintliches Patentrezept, mit dem er die Interessen der Dalyaner und die Bedürfnisse des Naturschutzes unter einen Hut bringen will und bei dem nicht zuletzt die eigene Kasse stimmen soll.

Weil sein Auftreten etwas ausgesprochen Einnehmendes, Gewinnendes hat, arbeiten Menschen in Mühlheim am Main und den Niederlassungen in Istanbul und Dalyan für seine Variante des „Sanften Tourismus“ – teils für einen kargen Lohn, manche unentgeltlich, einige mit der Hoffnung auf eine Gewinnbeteiligung, wenn das Strelo-Projekt einmal funktioniert. Wer weiß, durch welche rhetorische Schule Pawlik ging, den wundert sein Auftreten nicht. Im Laufe einer mehrjährigen Selbstfindung landete er bei der Sekte der Scientologen, wo er jedoch nach eigenem Bekunden schon 1987 wieder ausgetreten ist.

Der 44jährige Computerfachmann Günter Peter müßte eigentlich Ehrenbürger von Dalyan sein. Seiner Kampagne gegen den Bau eines Hotels am mittlerweile berühmten Izutzu-Strand, dem Eiablageplatz der Meeresschildkröte „Caretta Caretta“, ist es zu verdanken, daß es bei einem in den Sand eingelassenen Betongerippe blieb. „Schildkröten-Peter“, wie der Artenschützer ob seines Einsatzes für die bedrohten Meerestiere genannt wird, war für Pawlik der ideale Partner, um sein ambitioniertes Projekt durchzusetzen. 

1989 überzeugte er den Tierfreund Peter, daß die Forderung nach einem türkischen Nationalpark im Dalyandelta ohne Fremdenverkehr an der Realität vorbei gehe. Man könne die Natur nur retten, wenn man den Einheimischen Arbeit gebe. Deshalb müßte der Touristenandrang in das gefährdete Gebiet in umwelt- und sozialverträgliche Bahnen gelenkt werden. Um seinem Pauschalreisekonzept einen ökologischen Anstrich zu geben, brauchte Pawlik Peters „Aktionsgemeinschaft Artenschutz“. Nach anfänglichem Zögern ließ sich Schildkröten-Peter, der fürchtete, Pauschalreisen würden noch mehr Leute in die Region bringen, vor den alternativen Tourismuskarren spannen.

In Dalyan mußte etwas geschehen. Denn der kleine Ort, Mitte der achtziger Jahre noch ein Geheimtip für zivilisationsmüde Individualisten, wurde nach dem erfolgreichen Kampf der Umweltschützer gegen das Hotelprojekt für die gesamte Region zum Wallfahrtsort des Tagestourismus. So grinsen heute überall im Ort Schildkröten von Markisen und Leuchtreklamen, werben Pensionen, Hotels und die Gastronomie des Dorfes mit der angeblich heilen Natur: „Caretta Caretta“ oder „Happy Caretta“ ist auf den Fassaden der Häuser im Ort zu lesen


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